1990 erschien Spider-Man #1–5, geschrieben und gezeichnet von Todd McFarlane – eine Geschichte mit dem Titel „Torment“, die heute Kultstatus genießt. Ich habe sie mir vorgenommen – und was soll ich sagen: atmosphärisch beeindruckend, erzählerisch… seltsam.
Die Art des Storytellings ist äußerst eigenwillig und ließ mich mehr als einmal eine Augenbraue heben. Die Erzählweise ist fragmentiert, die Gedankenwelt von Peter Parker durchzogen von Halluzinationen, kryptischen Wiederholungen und düsterer Symbolik. Wer die Figuren nicht schon vorher kennt, wird kaum verstehen, worum es eigentlich geht. Calypso bleibt ein Schatten – kaum motiviert, kaum erklärt.
Und doch hat mich das alles auf eine merkwürdige Weise fasziniert. Die Zeichnungen sind grandios. McFarlane inszeniert Spidey wie nie zuvor: überdehnt, grotesk-dynamisch, fast schon unnatürlich – aber ikonisch. Und die Atmosphäre! Die Atmo ist der Hammer: bedrückend, finster, schwer. Man spürt – hier geht’s nicht nur um einen Kampf. Es geht um Schmerz, Wahnsinn, Überleben.
Fazit: Torment ist mehr Gefühl als Handlung. Mehr Stil als Substanz. Aber genau das macht es faszinierend – wenn man sich darauf einlässt. Als zusammenhängende Story schwach, ja. Aber die Sammlung an Szenen ist derart finster und visuell eindrucksvoll, dass sie einen trotz (oder gerade wegen) ihrer Eigenart fesselt.
